Was ist eine Büttenrede?
Eine Büttenrede gehört zum Karneval genauso wie Musik, Kostüme und Kamellen. Auf Karnevalssitzungen steht eine Rednerin oder ein Redner vorne auf der Bühne und trägt lustige Reime zu einem bestimmten Thema vor – laut, fröhlich und mit viel Gestik und Mimik.
Früher stand die Rednerin oder der Redner dabei in einer „Bütt“, einem großen Fass oder Zuber. Deshalb heißt die Rede heute noch „Büttenrede“. Warum ausgerechnet ein Fass benutzt wurde, weiß man nicht genau. Sicher ist aber: Die Büttenrede hat eine lange Geschichte.
Schon im Mittelalter durften die einfachen Leute während der Faschingszeit über Könige und Adlige ungewöhnlich offen lachen und schimpfen. Sie machten sich über ihre Herrscher lustig, dichteten Spottverse und sangen freche Lieder. Das war damals erlaubt – aber nur in dieser besonderen Zeit.
Heute geht es in der Büttenrede oft um Politiker, Prominente oder aktuelle Themen, über die man sich humorvoll aufregt. Wenn dabei über Politik, Gesetze oder die Gesellschaft gesprochen wird, nennt man das eine politische Büttenrede. Manche davon sind ziemlich frech, andere einfach nur witzig.
Auch im Kinderkarneval gibt es „Kinder in der Bütt“. Hier stehen Kinder selbst auf der Bühne und erzählen Reime über ihr Leben: über Hausaufgaben, frühes Schlafengehen, nervige Eltern oder lustige Erlebnisse aus der Schule. Die Erwachsenen dürfen dabei höchstens organisieren – und liefern oft den besten Stoff für neue Kinderbüttenreden.
Eines haben alle Büttenrede gemeinsam: Jede Rede ist in Abschnitte aufgeteilt, die eine kleine Überraschung oder einen Witz enthalten. Das nennt man Pointe. Nach jedem Abschnitt folgt ein wiederkehrender Satz, der von den Jecken mitgesprochen wird.
Eine Büttenrede im Kinderkarneval könnte so lauten:
Ihr lieben Jecken hier im Saal,
ich muss euch sagen
ein für alle Mal:
Das Leben als Kind ist schon `ne Qual! (Refrain)
Ich bin schon zehn und ziemlich pfiffig,
und trotzdem schallt es täglich
laut und griffig:
Um acht ist Zapfenstreich!
Du gehst ins Bett
und zwar jetzt gleich!
Ihr lieben Jecken hier im Saal,
ihr stimmt mir zu
bestimmt auch dieses Mal:
Das Leben als Kind ist doch `ne Qual! (Refrain)
Kaum ist es acht am Morgen,
da plagen mich schon
die nächsten Sorgen:
„Bist du gewaschen und gekämmt?
Wieso sind Flecken auf dem Hemd?“
Ihr lieben Jecken auf der Banke,
ihr wisst schon, woran ich kranke:
Doch gerne sag’ ich’s noch einmal:
Das Leben als Kind ist doch ´ne Qual! (Refrain)
Und in der Schule geht es weiter:
„Wie, du kannst sie nicht,
die Tonleiter!
Dann setz’ hin und lerne
und guck’ nicht ständig in die Sterne!“
Ihr wisst schon,
was ich sagen will,
mit viel Gebrüll schallt´s durch den Saal:
Das Leben als Kind ist schon `ne Qual!
Doch oft kommt zu dem
das Behagen,
ich werde noch auf Händen getragen.
Ich muss nicht kochen,
und nicht putzen,
kein Geld verdienen,
den Bart nicht stutzen.
Ihr guten Jecken, glaubt es mir,
dass es so bleibt, das wünsch’ ich mir!
